Marktliquidität beim CO2-Emissionshandel
Operative und strukturelle Voraussetzungen für einen
liquiden Zertifikate-Großhandel mit physischen Akteuren und Finanzintermediären
 

am 20. Oktober 2003 im Mannheim


 Hintergrund

Der CO2-Zertifikatemarkt wird eine gänzlich andere Prägung erhalten als der oftmals als Vorläufer betrachtete Energiemarkt. Dieser weist bestimmte liquiditätspendende Voraussetzungen auf, welche im Emissionsmarkt fehlen. So werden Mengenoptimierungen beim Emissionshandel eine sehr viel geringere Rolle spielen. Den viertelstündlichen Mengenbilanzierungen und täglichen Netzanmeldungen der Elektrizitätswirtschaft, die einen intensiven Planungs- und mithin Handelsrhythmus generieren, stehen im Emissionshandel lediglich jährliche Bilanzierungsperioden gegenüber. Physische Akteure werden mithin nur ein Bruchteil dessen handeln, was im Strommarkt transaktioniert wird.

Soll neben die Mengenoptimierung zusätzlich das politisch gewünschte, spekulative Trading durch Marktintermediäre treten, stellt sich die Frage, ob sich diese Akteursgruppe signifikant entwickeln können wird. Die restriktive Erlaubnispflicht, aber auch die physische Basis des Emissionshandels macht den Markt gerade für diese wichtige Akteursgruppe unattraktiv. Die opt-out-Regelung und early-action-Volumina könnten dem Handel weitere Liquidität entziehen.

Liquiditätshoffnungen knüpfen sich auch an die Wechselbeziehungen, die zwischen Strom- und Zertifikatemarkt erwartet werden: Bei steigender thermischer Stromproduktion und mithin steigenden Emissionen wird auch die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten zunehmen, mit der Folge, dass sich Strompreise und Zertifikatepreise gegenläufig entwickeln. Ähnlich den britischen Gaskraftwerksbetreibern, die bei hohen Preisen im Gasmarkt ihren Brennstoff in den Markt zurückverkaufen und auf die Stromerzeugung verzichten, könnten dann thermische Kraftwerksbetreiber im Emissionsmarkt vorgehen und bei bestimmten Preisen eher Rechte verkaufen, als Strom zu produzieren. Ob derartige Cross Commodity- und auch Spread-Geschäfte zu einer nachhaltigen Marktliquidität beitragen werden, ist heute noch unklar.
 

Programm mit den Präsentationen zum Herunterladen
 

 
Emissionshandel - Bedeutung von Marktintermediären und Wechselwirkungen mit dem Energiemarkt Dr. Michael Kraus, Tagungsleiter

Rechtsfragen im Handel mit Zertifikaten Dr. Ines Zenke, Rechtsanwältin, Becker, Büttner, Held, Berlin

CO2-Handel als neues Geschäftsfeld für Broker und Banken?- Akzeptanz und Stand der organisatorischen Vorbereitungen Dr. Janina Scheelhaase, Martfeldleiterin Emissionshandel Prognos AG, Köln

Entwicklung von Emissionshandelsstrategien unter Berücksichtigung geringer Marktliquidität Dr. Josef Janssen, Geschäftsführer, ETSG AG St. Gallen, Schweiz

CO2-Portfoliomanagement - Betreiberstrategien bei Marktunsicherheit Knut Schrader, Geschäftsführer BET, Aachen
 

Tagungsleitung und Informationen

Dr. rer. pol. Michael Kraus Vertretungsprofessur für Energiewirtschaft
FH Darmstadt; Vorstand Gesellschaft für Energiewissenschaft und Energiepolitik e.V.
kraus@fbw.fh-darmstadt.de

Informationen zum Veranstalter und zu früheren Symposien: http://www.gee.de/