Stromoptionen
Anwendungsstrategien und Preisbildung bei bedingten Termingeschäften in der Elektrizitätswirtschaft

26. März 2001 in Mannheim


Derivate sind im Strommarkt nicht länger exotische Instrumente. Mit der Entwicklung der Spotmärkte und den ersten Erfahrungen mit unbedingten Termingeschäften - Forwards und Futures - zählen nun auch bedingte Geschäfte zum täglichen Brot des Stromhändlers und Risikomanagers.

Optionen sind nichts anderes als bedingte Rechte, die in der Zukunft ausgeübt werden können, keinesfalls aber in Anspruch genommen werden müssen. Sie werden spekulativ eingesetzt oder aber zu Absicherungszwecken, wie etwa das covered put writing für Stromweiterverteiler und Verbraucher. Noch sind Optionen in Deutschland außerbörsliche Instrumente und damit Gegenstand individueller Vereinbarungen in Stromlieferverträgen. Die mit Optionalitäten verdenen Chancen, etwa durch Ausübungs-, Mehrbezugs- oder Verlängerungsrechte, werden bislang nur unzureichend erkannt. Dies gilt auch für die Freiheitsgrade von Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen. Jene Akteure sind im Vorteil, die take-or-pay, Real- oder Flex-Optionen bewerten können und deren Einflußfaktoren verstehen: aktueller Spotmarktpreis, Auspreis, Zeitraum bis Optionsfall, Zinssatz und die Volatilität der Spotpreise.

Die von den Finanz- oder Warenterminmärkten bekannten Optionsbewermodelle finden auch in den Energiemärkten Anwendung. Sie basieren auf mathematisch geschlossenen Lösungsanätzen nach Black Scholes, numerischen Verfahren wie binomial trees oder Monte Carlo-Simulationen. Bezüglich ihrer Voraussetzungen und in ihrer praktischen Anwendung weisen sie jeweils unterschiedliche Vor- und Nacheile auf. Sie sind zudem nicht uneingeschränkt gültig.
 

Zielsetzung

Mit Blick auf die zunehmende Verbreitung von Optionsinstrumenten möchte das Symposium einen Beitrag zu folgenden Fragen leisten:

Das Symposium möchte eine Brücke zwischen Wisschenschaft und Praxis schlagen. Es wendet sich an Händler und Broker im Stromgroßhandel, Risiko- und Portfoliomanager, IT-Provider und Forscher sowie Börsenbetreiber.
 

Tagungsleitung

Prof. Dr. Michael Kraus
Fachhochschule Mannheim
m.kraus@fh-mannheim.de
 

Programm

10.00 Begrüßung
Prof. Dr. Michael Kraus (Tagungsleiter; Fachhochschule Mannheim)

10.15 Stromoptionen - Grundarten der Geschäfte und Bewertungsmodelle
Andreas Voß (Assistent, Lehrstuhl für Nukleare und Neue Energiesysteme, Ruhr-Universität Bochum)

11.15 Kaffeepause

11.45 Konkrete Anwendungen von Stromoptionen und Strategien für EVU und Industrie
Hans Esser (Geschäftsführer, FinanzTrainer.com
Risk Management Training & Consulting, Grevenbroich)

12.45 Mittagessen

14.15 Pricing electricity options - the inadequacy of financial models (auf Englisch)
Prof. Helyette Geman (Professor of Finance, Université de Paris IX Dauphine ; ESSEC)

15.15 Die Bepreisung von Freiheitsgraden in Flexverträgen und bei Erzeugungsanlagen (auf Deutsch u. Englisch)
Stephan Meier; Dr. Gavin Bell OpenVision.net, Berlin

16.30 Kaffeepause

17.00 Diskussion

17.30 Tagungsende