Preisbildung
und Marktmacht auf den Elektrizitätsmärkten


Symposiums der Gesellschaft für Energiewissenschaft und
Energiepolitik (GEE) e.V
9.
Mai
2007
Wenn
die
Teilnehmer eines Symposiums protestieren, wenn der
Tagungsleiter Prof. Erdmann die Diskussion für eine Kaffeepause
unterbechen möchte,
muss die Diskussion wohl außergewöhnlich spannend gewesen
sein. Und in der Tat:
Die Referenten haben mit ihren inhaltlich spannenden
Präsentationen mit klaren
und teilweise markanten Thesen eine Diskussion über Energiepreise
ausgelöst,
die sowohl hinsichtlich des Informationsgehalts wie auch der
Sachlichkeit -
trotz der brisanten Thematik - kaum zu toppen ist.
Prof.
Christian von Hirschhausen erläuterte sein
Gutachten aus März 2007 und die seither durchgeführten
Erweiterungen. Sein Fazit war, dass die Politik Maßnahmen
ergreifen sollte, um
den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu beleben, wobei er allerdings auch
darauf
hinwies, dass die in seinem Gutachten festgestellten Befunde - ein
gegenüber
den Grenzkosten überhöhlte Day-ahead-Strompreisniveau
- auch auf anderen
Märkten beobachtet werden kann.
Prof.
Carl Christian von Weizsäcker konzentrierte seinen
frei vorgetragenen und wie immer brillant
formulierten Vortrag auf die von der Bundesregierung geplante
GWB-Novelle, die
seiner Ansicht nach darauf hinlaufen würde, den Wettbewerb auf dem
Strommarkt
zu behindern anstelle ihn zu belegen. Gegenüber der Vermutung des
Hirschhausen-Gutachtens, die Stromerzeuger würden Kapazitäten
missbräuchlich
zurückhalten, um die Strompreise zu erhöhen, argumentierte er
wie folgt: Wenn
ein Manager dies tatsächlich täte, würde sein
Unternehmen im Vergleich zu den
Wettbewerbern eine schlechtere Rendite erzielen, weshalb dies kein
betriebswirtschaftlich rationales Verhalten darstellen würde.
Prof.
Dr. Georg Erdmann
ergänzte diese Aussage durch Betrachtung der von der
Strombörse EEX
veröffentlichten Angebots- und Nachfragekurven für den Day-ahead-Markt.
Demnach müssten Unternehmen an diesem Markt mindestens 3000 bis
4000 MWh pro Stunde
verkaufen, um die Deckungsbeitrags-Verluste aus zurückgehaltenen
Kapazitäten zu
kompensieren.
Dr. Hans-Bernd Menzel
wies u.a. darauf hin, dass es seinen Informationen
zufolge bereits mehr als 5000 Verträge im In- und Ausland gibt,
die sich
auf die EEX-Preise beziehen. Übrigens gilt dies auch für das
deutsche KWK-Gesetze. Dies verdeutliche,
dass die Märkte Vertrauen in die Funktion der Strombörse EEX
haben. Würden die Marktteilnehmern davon ausgehen, dass die
EEX-Preise von einzelnen Unternehmen manipuliert würden,
könnte es einen solchen Vertrauensbeweis nicht geben. Durch
illegale Emails sind im April 2007 gestohlene Handelsdaten an die
Öffentlichkeit
gelangt. Dabei haben sich einige Printmedien als Hehler betätigt,
in dem sie
die gestohlenen Daten publizierten. Dies schade dem Stromwettbewerb.
Mitr
diesem Symposium hat die GEE
erneut unter Beweis gestellt, dass sie der führende Veranstalter
in Deutschland ist, wenn es darum geht, neue energiewissenschaftliche
Erkenntnisse in Verbindung mit den praktischen energiewirtschaftlichen
Erfahrungen einer Fachöffentlichkeit zu vermitteln und politisch
kontroverse Diskussionen zu Energieproblemen zu versachlichen.