in Kooperation mit 

Internationale Konferenz

Die EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie und der Energiehandel
– existenzielle Bedrohung der europäischen Energiemärkte oder Beginn einer neuen Ära? –

15.-16. April 2004
Berlin-Mitte
Französischer Dom (Friedrichstadtkirche), Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin
U-Bahn-Stationen „Französische Straße“ (U6) oder „Stadtmitte“ (U2, U6)
S-Bahn-Station „Friedrichstraße“
Hotels in der Nähe des Veranstaltungsorts
 

Hintergrund

Bislang wird auf den meisten liberalisierten Energiemärkten Europas der Handel mit der E-nergie durch Aufsichtsbehörden oder durch die organisierten Märkte selbst reguliert. Mit der neuen EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie (Investment Services Directive ISD), die An-fang 2005 Gesetzeskraft erhalten soll, wird erstmals der Versuch unternommen, einen euro-paweiten Rechtsrahmen für die Ausführung von Handelsaufträgen durch Finanzdienstleister, Börsen und alternative Handelssysteme zu schaffen:

Dass es für diese Geschäfte keine rechtliche Regelung auf dem Binnenmarkt gibt, ist nicht mehr zeitgemäß, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass gleichzeitig Schritte zur Libe-ralisierung der zugrunde liegenden Waren- und Energiemärkte unternommen werden. Eine Aufnahme in die Richtlinie wird dafür sorgen, dass Vorschriften zur Verhinderung von Marktmissbrauch und zur Erhaltung geordneter Märkte EU-weit auf eine gemeinsame Basis gestellt werden können.“ (Kommissionsdokument KOM(2002) 625)

Gegenstand der künftigen Aufsicht werden Warenderivate (commodity derivatives) sein, so-weit sie „unter aufsichtlichen Aspekten den traditionellen Finanzinstrumenten vergleichbar sind“. Damit werden Derivate auf Strom und Gas, aber auch auf Öl oder Wärme in den An-wendungsbereich der Richtlinie fallen. Ob darüber hinaus auch physische Spotprodukte des Energiemarkts betroffen sein werden, wie von Regierungen einzelner EU-Mitgliedstaaten bereits gefordert, ist noch offen

Die Richtlinie wird den europäischen Finanzdienstleistungsmarkt, insbesondere aber den eu-ropäischen Energiegroßhandel, deutlich beeinflussen. Ungeachtet einiger Ausnahmebestim-mungen werden alle Energiemarktakteure betroffen sein. Während die Unternehmen auf der „Habenseite“ die ihnen bislang verwehrte Nutzung einer einmal erlangten Lizenz in den euro-päischen Nachbarländern verbuchen können („Europäischer Pass“), kommen auf der „Sollsei-te“ erhebliche Herausforderungen auf sie zu. So wird „wegen der wachsenden Abhängigkeit der Anleger von persönlichen Empfehlungen“ künftig auch die Beratung als Wertpapier-dienstleistung anzusehen sein, was den Energiehandel erheblich erschweren wird.

Besonders gravierend aber wäre die undifferenzierte Anwendung der Kapitaladäquanzrichtli-nie und der Richtlinie über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute. Die dort festgelegten Eigenmittelvorgaben waren ursprünglich für die Finanzwirtschaft entworfen worden und berücksichtigen nicht die spezielle Situation der Energiewirtschaft. Zwischenzeit-lich entwickelte nationale Lesarten dieser Richtlinien, welche die speziellen Usancen des E-nergiemarkts berücksichtigen, würden damit wieder in Frage gestellt werden. Die Folge wäre, dass der für die weitere Entwicklung des europäischen Energie-Binnenmarkts unerlässliche Einsatz von Derivaten zum Zwecke des Risikomanagements behindert würde. Wohl sieht die Richtlinie bezüglich der Eigenkapitalanforderungen gewisse Ausnahmebestimmungen vor; es ist jedoch fraglich, ob sich die Energieunternehmen darauf werden berufen können.
 
 

Zielsetzung der Konferenz

Die Konferenz versucht, einen Beitrag zu folgenden Fragen leisten:


Die Konferenz ist international ausgerichtet (auf Englisch, mit teilweise deutscher Überset-zung) und möchte eine Brücke zwischen europäischer Politik und Handelspraxis schlagen. Sie wendet sich an europäische Finanzmarkt- und Börsenaufsichtsbehören, Ministerien, Vertreter der Politik, Börsenbetreiber, Händler und Broker im Energiegroßhandel sowie Energieversorgungsunternehmen.
 

Unsere Referenten
 

Programm Donnerstag, 15. April 2004
 

10.00 Uhr Eröffnung der Konferenz und Begrüßung der Konferenzteilnehmer und Referenten durch den Tagungsleiter Dr. Michael Kraus, Vertretungsprofessur für Energiewirtschaft, Fachhochschule Darmstadt

Grußadressen von Dr. Werner Langen, MdEP, Staatsminister a.D. und Prof. Dr. Georg Erdmann, Vorsitzender des Vorstands der Gesellschaft für Energiewissen-schaft und Energiepolitik (GEE) e.V.

Einführungsvorträge

10.30 Uhr Struktur und Entwicklung des europäischen Energiegroßhandels Dr. Michael Kraus, Vertretungsprofessur für Energiewirtschaft, Fachhochschule Darmstadt

11.00 Uhr Inhalt und Umsetzungsfahrplan der EU-Wertpapierrichtlinie Dr. Ines Zenke, Rechtsanwältin und Partner der Sozietät Becker Büttner Held, Berlin

11.30 Uhr Kaffeepause

Die Aufsicht und Praxis in Deutschland, Schweiz und Österreich

11.45 Uhr Die Erlaubnispflicht im deutschen Energiehandel - heute und morgen Dr. Rainer Wiegelmann, BAFin, Bonn

12.15 Uhr Statements von Börsen und Podiumsdiskussion mit den Marktteilnehmern Dr. Hans-Bernd Menzel (EEX), Dr. Jörg Spicker (ATEL), Dr. Ralf Schäfer (RWE), Dr. Günther Rabensteiner (APT), Dr Michael Redanz (Essent Deutschland), Dr. Torsten Amelung (Statkraft), Hermann Schmeink (KOM-STROM) Moderation: Dr. Jacques Piasko (EGL)

13.15 Uhr Mittagessen

Die Aufsicht und Praxis in Skandinavien

14.30 Uhr Regulation and Supervision of Energy Commodity Trading in Skandinavien Knut Godager (Kredit Tilsynet - norwegische Aufsicht)

15.15 Uhr Statements von Börsen und Podiumsdiskussion mit den Marktteilnehmern Torger Lien (NordPool), Dr. Torsten Amelung (Statkraft), Edward Murray (Vattenfall), Markedskraft* Moderation: Harald von Heyden (EGL Nordic AS)

16.15Uhr Ende des ersten Konferenztags

20.00 Uhr Abendessen in Berlins historischem Restaurant „Die Möwe“ mit Programmdarbie-tung des Künstlers Raiko Thal
 
 
 

Programm Freitag, 16. April 2004

9.30 Uhr Begrüßung durch die Tagungsleiterin Dr. Ines Zenke, Rechtsanwältin und Partnerin der Sozietät Becker Büttner Held, Berlin

Die Aufsicht und Praxis in Großbritannien und den Niederlanden

9.40 Uhr Regulation and Supervision of Energy Commodity Trading in the United Kingdom Ted Morris, FSA - Financial Services Authority, London

Regulation and Supervision of Energy Commodity Trading in the Netherlands Theodor Kockelkoren, NAFM – Niederländische Finanzaufsichtsbehörde, Amsterdam

10.20 Uhr Statements von Börsen und Podiumsdiskussion mit den Marktteilnehmern Marc Leppard (IPE), Bert den Ouden (APX), John K. Wright (GFI), John Evans (Spectron), Fiona Smith (Morgan Stanley), Judith de Boeye (ESSENT), Martin Thomas (EnMO) Moderation: Anthony Belchambers (FOA)

11.15 Uhr Kaffeepause

Die Aufsicht und Praxis in Frankreich und Südeuropa

11.45 Uhr Regulation and Supervision of Energy Commodity Trading in France Franck Saudo, Direction du Trésor (French Ministry for Economics, Finance and Industrie)

12.15 Uhr Statements von Börsen und Podiumsdiskussion mit den Marktteilnehmern Jean-François Conil-Lacoste (Powernext), Maria Luisa Huidobro (OMEL), Pierre Bonnard (RTE), Dr Juan José Alba Rios (Endesa), EDF* Moderation: Arnaud Barbet-Massin (CLC Bourse Crédit Lyonnais)

Abschließende Diskussionsrunde

13.15 Uhr Umsetzungsnotwendigkeiten und Folgefragen Dr. Juan José Alba Rios (EFET), Franck Saudo (France), Dr. Michael Kraus, Dr. Ines Zenke, Moderation: Anthony Belchambers (FOA)

13.45 UhrEnde der Konferenz

*angefragt
 
 

Sponsoren

Die Konferenz wird durch KOM-STROM AG, Leipzig (Energiehandels- und Dienstleis-tungsunternehmen für kommunale Partner) sowie durch Reuters (weltweiter Anbieter von Nachrichten, Finanzinformationen und Technologielösungen für Medien, Finanzinstitute, Unternehmen und Privatpersonen) finanziell unterstützt.