Gemeinsames GEE / ZEW Symposium am 14. April 2008
Realoptionen –
eine sinnvolle Bewertungsmethode
im Energiebereich ?

Die Bewertung von Investitions- und Betriebsentscheidungen mit Realoptionen stellt ein modernes Instrument der Finanzökonomik in den Dienst der Betriebswirtschaft. Der Ansatz ist auch für die Energiewirtschaft eine interessante und relevante Neuerung gegenüber konventionellen Bewertungsmethoden, zum Beispiel bei Investitionen im Kraftwerksbau oder beim Betrieb von Energiespeichern. Im Kern geht es bei der Theorie der Realoptionen darum, bei irreversiblen ökonomischen Entscheidungen neben der Kostenstruktur und den erwarteten Einnahmen auch die Entwicklung relevanter Informationen und Alternativen zu berücksichtigen. Opportunitätskosten und zukünftige Handlungsoptionen gehen, anders als in der klassischen Investitionstheorie, in die Bewertung der Entscheidung mit ein. Die Realoptionstheorie macht nicht nur Aussagen über die Profitabilität von Investitionen, sondern auch über deren optimales Timing. Sie findet Anwendung überall dort, wo irreversible Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.

Großinvestitionen im Energiebereich sind fast immer irreversibel, und die Entwicklung von Nachfrage und Technologie ist unsicher, und so hat die Ökonomik Realoptionen in die Analyse der Energiewirtschaft eingeführt. Folgende Optionstypen sind von besonderer Bedeutung:

- Spread-Option (z.B. Preisspread zwischen Elektrizität und Erdgas)
- Switching Optionen (Variation von Outputs bzw. Inputs)
- Option-to-postpone (Verzögerungsoption)

Was genau unterscheidet die Optionsbewertung von Investitionen gegenüber den konventionellen Bewertungsverfahren in der Praxis? Wie lassen sich die Werttreiber von Realoptionen identifizieren und quantifizieren? In wie weit stellt der Rückgriff auf Realoption-Methoden eine signifikante Verbesserung von Entscheidungen im Energiebereich dar? Wo liegen die Gefahren bei der Anwendung dieser Methoden? Wie sehen die Erfahrungen mit der Anwendung entsprechenden Bewertungsverfahren aus?

Diese und ähnliche wurden am 14. April 2008 in Mannheim diskutiert. Gleichzeitig konnten sich die Teilnehmenden auch einen Überblick zum gegenwärtigen Entwicklungsstand der Optionsbewertung verschaffen.

 

Präsentationsfolien

Einführung Hermann Schmeink, KoM-SOLUTION GmbH Dr. Andreas Löschel, ZEW Mannheim
 
Realoptionen in der Energiewirtschaft – eine Einführung mit Beispielen Dr. Tim Mennel und Ph.D. Sara Scatasta, ZEW Mannheim

Fossile Kraftwerke als Call-Option auf den Spark Spread bzw. den Dark Spread Dr. Jörg Borchert, BET Büro für Energiewirtschaft und techn. Planung GmbH Marc Hasenbeck, price[it] GbR

Virtuelle Kraftwerke (VPP) Dr. Michael Kraus, NERA Economic Consulting GmbH, Frankfurt/Berlin Value of Flexibility in Gas and Electricity Markets Vakhtang Kvekvetsia, NERA Economic Consulting GmbH, London

IInvestment and Upgrade in Distributed Generation under Uncertainty Afzal S. Siddiqui, University College London